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Durch die Gegebenheiten in meiner Jugend verbrachte ich mehrere Jahre in der wohlhabenden und freien Konsumgesellschaft Deutschlands und den anderen Teil in einem doktrinären, kommunistischen Land auf dem Balkan.

In anderen Zeiten als man die Wahrheit nur im Flüsterton auszusprechen wagte und Freunde spurlos in Folterkammern verschwinden konnten, lernte ich erst den Wert von Redefreiheit, Sicherheit und Pressefreiheit zu schätzen!


Dekorative Elemente aus Afrika

Der Schutz vor dem Machtmißbrauch von "denen da oben" schien mir immer ganz selbstverständlich bis meine Familie und ich Opfer dieser Pest wurden, mit all dem damit verbundenem Elend.

Doch all dies, zusammen mit ausgedehnten Reisen nach Asien und jahrelangem Aufenthalt in einer strikt islamischen Gesellschaft, hat mir beigebracht... Es ist der Mensch, der zählt! Nicht die Kultur, nicht das System, nicht die Religion - Nur der Mensch!



Das Menü des Lebens beinhaltet überall, Freude und Elend, Heldentum, Verrat, Glück, Schmerz, Gier und Mitgefühl - die Zutaten variieren, auch die Portionen sind oft unterschiedlich, doch diese abwechslungsreiche Diät aus Europäischen, Asiatischen und Afrikanischen Erfahrungen hat mich auch noch anderes gelehrt und zwar...

DIE LIEBE ZU GUTEM ESSEN ist allen Menschen eigen, sowie dass eine geteilte Mahlzeit und das gemeinsame Brechen von Brot, die Macht hat Brücken zu schlagen über den Abgrund der Ignoranz und des Misstrauens, der die Menschheit entzweit!


Das letzte Abendmahl, von Elimu Njau

Doch bevor wir uns etwas mehr mit Chakula kizuri (gutem Essen) beschäftigen, ein paar Beobachtungen über meine zwei physischen und geistigen Zuhause, im Zusammenhang mit Ignoranz und Mißtrauen.

Die meistens sehr einseitige Berichterstattung in den westlichen Medien über Afrika zeigt Armut, Korruption, Kriege, Elend, Gewalt und Ähnliches. Sie vertieft natürlich so nur die bereits tief sitzenden Vorurteile über den so genannten dunklen Kontinent!

Man sieht einen als hoffnungslos empfundenen Erdteil, ohne Kultur und ohne vorkoloniale Geschichte, übersieht dabei aber geflissentlich, welch ungeheueren gesellschaftlichen Schock die so gewalttätige Begegnung mit der materialistischen Weltanschauung der Eroberer ausgelöst hat, und dass Afrika nun innerhalb von Generationen eine Entwicklung durchmacht, die auf dem vermeintlich erleuchtetem Kontinent des Nordens Jahrhunderte in Anspruch genommen hatte.

Ohne Zweifel sind all die obigen Aspekte Tatsachen und Teil von Afrikas trauriger täglicher Realität. Aber da ist auch noch - unverwüstlich - Afrika, der BUNTE KONTINENT, sehr sehr bunt und farbenfroh in der Tat, platzend vor unbändiger Energie und getrieben mit einem enormem Überlebenswillen, das ist das Afrika der starken sozialen Strukturen, manchmal halb im Scherz "afrikanischer Sozialismus" genannt.

Da ist auch das sinnliche Afrika - voll überschäumender Lebensfreude, Musik, Tanz und dazu und über allem ein zutiefst spirituelles Afrika, das sich durch seine Toleranz und Respekt für das Anderst-Sein Anderer auszeichnet, ebenso wie durch die uralte Philosophie der WEISHEIT DES VERGEBENS!


"Die Kreuzigung", von Elimu Njau

So manches der Vitalität des Kontinents reflektiert sich im Afrika der mannigfachen Gerüche. Die Palette reicht vom subtilen Duft der vor Hitze flimmernden Savannen bis zum beißenden Gestank verrottenden Mülls in den überfüllten Straßen Afrikas klaustrophobischer Megastädte.

Doch diesem Angriff auf unser Geruchsorgan weichen wir aus und wenden uns lieber den appetitlichen Gerüchen zu, die aus einer Vielzahl von Straßenküchen, Nyama Choma Grills und Spezialitätenkiosks an uns vorbei wehen, und unsere Aufmerksamkeit auch auf die Kochstellen fröhlicher Mamas mit traditioneller - sprich wohlgenährter - Figur lenken.

Solche Aromen werben ebenfalls für zu erwartende Gaumengenüsse in den vielen vornehmen und nicht so vornehmen Restaurants und Kantinen.

Während unserer endlosen Jagd in der entwickelten Welt nach immer neueren Trends und Geschmackserfahrungen, haben wir nun die Faszination der Fusions- und Cross over Küche entdeckt.

Wagemutige Köche fusionieren und "crossen" kühn, was zusammen und oft auch nicht zusammen passt, häufig mit bewundernswerten Resultaten. Doch schon bald schlägt die nächste Laune der Mode zu, und wir eilen mit wehenden Kochschürzen höheren und raffinierteren, noch neueren Gipfeln der Kochkunst zu.



Was für unsere moderne westliche Gastronomie meist nur einen vorübergehenden Gimmick darstellt, ist jedoch ein wichtiger Teil in der Evolution und die Grundlage der sich noch entwickelnden Nationalküchen in Ländern wie Süd Afrika und Kenia, wo viele Kulturen innerhalb einer Grenze leben, und Eroberer sowie Besucher bleibende Spuren in der Asche der Jikoni (Küchen) hinterlassen haben.


Ich möchte diese Entwicklung am Beispiel von Kenia illustrieren, ein Land mit vielen Volksgruppen, das in seiner Geschichte oft teilweise oder in seiner Gesamtheit besetzt war, entweder von Arabern, Portugiesen, Deutschen, Engländern oder Touristen aller Herren Länder.

Ein hervorragender Nährboden also für eine natürlich wachsende nationale Fusionsküche. Fangen wir an mit den typischsten Gerichten einiger der größten Stämme wie dem weitverbreitetem Irio aus der Mount Kenia Region.

Diese appetitlich grüne Mischung aus gestampften Kartoffeln, Mais, Bohnen und den Blättern von Kürbis oder Brennessel hat sich übrigens auch stets als sehr populär in meinen African Food Festivals erwiesen, wobei ich dem Rezept meiner Kikuyu Schwiegermutter Thabita Nguyo folge.


Wilko mit Familie und Freund   | Thabita Nguyo

An den Ufern des Viktoria Sees (Lake Nyanza) ernähren sich die Luo Meisterfischer von Omena (getrockneter Fisch) sowie natürlich frischem Fisch und ihrem geliebtem Ugali (Maisbrei), der auch für einen Großteil der anderen Kenianer das Grundnahrungsmittel ist, meist begleitet von sukuma wiki, ein dem Grünkohl ähnlichen Gemüse.

Die einst so kriegerischen und gefürchteten Wa-Kamba basieren ihre Mahlzeiten am liebsten auf Muthokoi, geschälten Maiskörnern mit einem angenehmen nussartigen Geschmack, während die Meru eine Vorliebe für Yam und Kürbisse zeigen.

Lokale Variationen dieser Gerichte und anderer, wie zum Beispiel Matoke (Kochbanane) gibt es reichlich, doch jene berüchtigte Mischung aus Milch, Blut und Rinderurin, die Freude der Masaii Krieger, hat es meinem Wissen nach, bis jetzt noch nicht in die nationale Küche geschafft.

Das Küsten-Volk der Swahili ist berühmt für Ostafrikas feinste und am höchsten entwickelte Küche, mit einer Betonung auf frischem Fisch aus dem Indischem Ozean, Kokosnuss in jeder Variation, Tamarind und Reis.

Die herrliche Leichtigkeit, Frische und Vielfalt erinnert unweigerlich an die mediterrane Küche, allerdings mit sehr unterschiedlichen Zutaten.



Ein Erbe der britischen Kolonial-herrschaft ist - außer der Obsession, dreiteilige Anzüge mit Krawatte bei 30° Grad im Schatten zu tragen - auch noch Fisch und Chips, Robertson`s Gravy (eine klebrige, zähe schwarze, glänzende "Braten" Sauce aus dem Paket), sowie "Sausage and Egg", eine auf "Sägemehl" basierende Wurst mit beiderseitig zu Leder gebratenen Eiern. Alles übrigens landesweit sehr populär, und neben einem mehr Luft als Mehl enthaltenden Weißbrot ohne jeglichen Nährwert, zweifelsohne Teil der Diät der städtischen Massen. Diät natürlich nur für diejenigen, die sich solchen Luxus leisten können...

Bedeutend erfreulicher ist im Gegensatz dazu der Beitrag der kleinen aber sehr wohlhabenden und einflussreichen Indischen Gemeinschaft, denn: Curry, Chapati, Samosa und Konsorten sowie ein großes Sortiment von tamu tamu (Süßigkeiten) sind nicht mehr wegzudenken aus der Küche Ost Afrikas.



Tourismus und die hervorragende Utalii Hotelfachschule in Nairobi haben Kenia mit einer Armee bestens ausgebildeter Köche gesegnet, die natürlich auch alle ihren Teil zur Entstehung einer dynamischen und faszinierenden nationalen Küche beitragen. Zwar sind die meisten dieser Köche und Hoteliers in ihrem persönlichem Geschmack mehr den schlichten und natürlichen Genüssen ihrem Heimat zugetan, so wird doch ihr angelerntes Wissen der hohen Küche des Westens noch für viele interessante Impulse und Ideen in der einheimischen "niederen" Küche sorgen.

Einfach, unverkünstelt und doch so schmackhaft?

Keine Zauberei, kein Ju-Ju, die mediterrane Küche macht es uns vor: das Geheimnis liegt in absolut frischer Verarbeitung der hervorragenden unverfälschten Farmprodukte, Früchte und Fleisch des Kontinents.

Äußerlich sehen viele dieser Produkte zwar bei weitem nicht so perfekt und gleichmäßig aus wie ihre europäischen Äquivalente, doch der Geschmack, der ist ihnen unvergleichbar überlegen!

Vor allen Dingen das Nyama (Fleisch) von den ausgedehnten Weiden des Innenlandes verdient spezieller Erwähnung erstens für seinen ausgeprägten Fleischgeschmack und zweitens für die überragende Rolle, die Fleisch in der Gastronomie des Landes spielt.

Nyama, Nyama, Nyama

Wobei in der traditionellen afrikanischen Gesellschaft Fleisch eine eher untergeordnete Rolle in der Ernährung spielte, hat der neue Mittelstand das Nyama Choma (gegrilltes Fleisch) zum Sozialritual und Statussymbol erhoben. Was früher hauptsächlich eine Domäne simpler Grills in den schmuddeligen Hinterhöfen der zahlreichen Butcherys (Schlachtereien) war, hat sich zu einer sehr interessanten und dynamischen Gastronomie entwickelt.

Der Nyama Choma Biergarten ist integrierter Teil der urbanen Landschaft, häufig auch architektonisch sehr attraktiv, mit hohen Palmblättern (makuti) gedeckten Dächern und tropischen Gartenanlagen.


Nyama Choma Biergarten

Der Gast bestellt sich aus dem entweder hängend oder in Kühltheken zur Schau gestellten Fleisch die Stücke seiner Wahl - am beliebtesten ist Mbuzi (Ziege), die in Afrika Kultstatus genießt - und gibt Anweisung über die Zubereitungsart und die Beilagen. Entweder Choma, am Stück, gegrillt die populärste Art, oder Karanga, klein geschnitten und geschmort mit Zwiebeln Tomate, frischem Koriander, Kartoffeln und natürlich Pili-Pili, frischer Chilli oder aber Chemcha, gekocht mit den selben Zutaten, wobei die Brühe in einem Becher separat serviert wird. Die populärsten Beilagen sind Ugali, Irio sowie Katchumbari, ein Salat aus Tomaten, roten Zwiebeln, Koriander und einer höllischen Menge pili-pili (Chilli).
Dies ist natürlich "slow food" im wahrsten Sinn des Wortes und der Gast erwartet es auch nicht anders.

Schließlich signalisiert das Auftauchen eines Kellners mit einer Kanne warmen Wassers und einer Schüssel zum Waschen der Hände, dass der große Moment nahe ist.
Nun füllt sich der Tisch mit Platten, Schüssen und ein Mpishi (Grillkoch) schneidet geschickt die ganzen Stücke, Keule oder Rippen vor den Gästen auf, und verkostet traditionell das erste Stück.
Doch es kann auch passieren, dass ein hungriger ungeduldiger Gast einen Teil seines Fingers riskiert beim Versuch, sich unter dem flink schneidenden Messer das erste Stück zu schnappen.


Wapishi Grillköche

Das Ganze wird im allgemeinen mit einigen Bieren hinunter gewaschen, und statt Nachtisch tanzt man gerne mit Eifer und Ausdauer zu den pulsierenden Rhythmen einer lokalen Live-Band die man meistens in solchen Plätzen erwarten kann. Am Wochenende treten auch häufig noch Akrobaten, Komiker und andere Unterhalter in den Nyama Choma Biergärten auf.

Dies ist eine moderne Variante der afrikanischen Tradition, wobei gemeinsames Essen ein rundum sozialer, fröhlicher und lebhafter Akt ist!



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